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CBAM: Wie der EU-Klimazoll die Bauteilbeschaffung im Maschinenbau verändert

Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) der Europäischen Union verändert die Rahmenbedingungen für den internationalen Handel mit emissionsintensiven Materialien. Seit dem 1. Januar 2026 gilt die definitive Phase. Für Unternehmen im Maschinenbau und in der industriellen Beschaffung bedeutet das: CO₂-Emissionen, Herkunft und Materialdaten gewinnen bei der Lieferantenauswahl zunehmend an Bedeutung.

Dieser Artikel erklärt, was CBAM bedeutet, welche Materialien betroffen sind und worauf Einkäufer bei der Beschaffung von Bauteilen achten sollten.

Lesezeit: 4–5 Minuten

Ein Leitfaden für Einkäufer und Supply-Chain-Verantwortliche


CBAM: Ein neuer Faktor in der industriellen Beschaffung

Internationale Lieferketten stehen vor neuen Anforderungen. Neben Materialpreisen, Qualität und Lieferzeiten rückt zunehmend auch der CO₂-Fußabdruck von importierten Waren in den Mittelpunkt.

Mit dem Carbon Border Adjustment Mechanism – kurz CBAM – führt die EU einen CO₂-Grenzausgleich für bestimmte importierte Waren ein. Ziel ist es, vergleichbare CO₂-Kosten für importierte Produkte und innerhalb der EU hergestellte Waren zu schaffen.

Für Einkäufer bedeutet das: Die Herkunft eines Materials und die Emissionen, die bei seiner Herstellung entstehen, können künftig eine größere Rolle bei der Kostenplanung und Lieferantenauswahl spielen.

Was ist CBAM?

CBAM ist ein Instrument der europäischen Klimapolitik. Es soll verhindern, dass Unternehmen ihre Produktion in Länder mit weniger strengen Klimavorschriften verlagern, um CO₂-Kosten zu vermeiden. Dieses Phänomen wird als Carbon Leakage bezeichnet.

Das Prinzip: Für bestimmte Waren, die aus Nicht-EU-Ländern in die EU importiert werden, müssen die im Produkt enthaltenen CO₂-Emissionen berücksichtigt werden. Autorisierte Importeure müssen entsprechende CBAM-Zertifikate erwerben und abgeben.

Die Höhe der finanziellen Verpflichtung hängt unter anderem von den eingebetteten Emissionen, dem geltenden Zertifikatspreis und gegebenenfalls bereits im Herkunftsland gezahlten CO₂-Preisen ab.

Welche Materialien sind von CBAM betroffen?

Der aktuelle CBAM-Anwendungsbereich umfasst ausgewählte Waren aus folgenden Bereichen:

  • Eisen und Stahl: Grundmaterialien und bestimmte Stahlprodukte
  • Aluminium: Rohaluminium und bestimmte Aluminiumprodukte
  • Zement: Ausgewählte zementbasierte Waren
  • Düngemittel: Bestimmte Düngemittelprodukte
  • Elektrizität: Importierter Strom
  • Wasserstoff: Importierter Wasserstoff

Wichtig ist: Nicht jedes Bauteil aus Stahl oder Aluminium fällt automatisch unter CBAM. Entscheidend ist die genaue zolltarifliche Einordnung des importierten Produkts und die entsprechende Warenliste in der EU-Verordnung.

Auch bei weiterverarbeiteten Produkten sollten Unternehmen prüfen, ob diese unter den aktuellen Anwendungsbereich fallen.

Der CBAM-Zeitplan: Was gilt ab 2026?

CBAM wurde schrittweise eingeführt. Die Übergangsphase diente zunächst der Erfassung und Meldung von Emissionsdaten. Seit 2026 gilt die definitive Phase mit zusätzlichen finanziellen Verpflichtungen.

Wichtige Zeitpunkte:

  • Oktober 2023 bis Dezember 2025: Übergangsphase mit Berichtspflichten
  • Ab 1. Januar 2026: Beginn der definitiven CBAM-Phase
  • Ab Februar 2027: Beginn des Verkaufs von CBAM-Zertifikaten für die finanziellen Verpflichtungen
  • Bis 30. September 2027: Erste jährliche CBAM-Erklärung und Abgabe der Zertifikate für Importe aus dem Jahr 2026

Die erste jährliche Erklärung bezieht sich somit auf die im Kalenderjahr 2026 importierten CBAM-Waren.

Die 50-Tonnen-Regel: Eine wichtige Erleichterung

Mit der Vereinfachung der CBAM-Regelungen wurde eine sogenannte De-minimis-Schwelle eingeführt.

Für bestimmte Waren aus den Bereichen Eisen und Stahl, Aluminium, Zement und Düngemittel gilt eine gemeinsame Mengenschwelle von 50 Tonnen Nettomasse pro Importeur und Kalenderjahr.

Importeure, die diese Grenze nicht überschreiten, sind grundsätzlich von den entsprechenden CBAM-Verpflichtungen ausgenommen. Wird die Schwelle überschritten, gelten die Verpflichtungen für die erfassten Waren des betreffenden Kalenderjahres.

Die genaue Anwendung hängt von der Warenklassifizierung und den geltenden gesetzlichen Bestimmungen ab. Unternehmen sollten deshalb ihre Importmengen und Zolltarifnummern sorgfältig prüfen.

Welche Auswirkungen hat CBAM auf die Bauteilbeschaffung?

CBAM kann die Beschaffung bestimmter Materialien und Bauteile aus Nicht-EU-Ländern beeinflussen. Dabei geht es nicht nur um mögliche zusätzliche Kosten, sondern auch um die Verfügbarkeit und Qualität von Emissionsdaten.

Für Einkäufer werden insbesondere folgende Faktoren wichtiger:

Materialkosten: CO₂-bezogene Kosten können die Gesamtkalkulation bestimmter Importwaren beeinflussen.

Lieferantentransparenz: Lieferanten müssen gegebenenfalls Informationen über die bei der Produktion entstandenen Emissionen bereitstellen.

Dokumentation: Angaben zu Herkunft, Material und Emissionswerten gewinnen für die Nachweisführung an Bedeutung.

Lieferantenauswahl: Unternehmen können bei der Beschaffung stärker berücksichtigen, wie transparent und nachvollziehbar die Produktions- und Emissionsdaten eines Lieferanten sind.

Langfristige Planung: Mögliche Veränderungen bei Materialkosten sollten frühzeitig in die Beschaffungsplanung einbezogen werden.

Neue Anforderungen an die Supply Chain

Eine transparente Lieferkette wird für viele Industrieunternehmen immer wichtiger. Neben klassischen Einkaufsinformationen können zusätzliche Daten erforderlich sein, um die Anforderungen rund um CBAM zu erfüllen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Herkunft und genaue Warenklassifizierung
  • Materialmengen und Importdaten
  • Informationen zu eingebetteten CO₂-Emissionen
  • Angaben zu Produktionsverfahren und Energieeinsatz
  • Nachweise über bereits gezahlte CO₂-Preise im Herkunftsland

Die tatsächlichen Anforderungen hängen davon ab, welche Waren importiert werden und welche gesetzlichen Verpflichtungen für das jeweilige Unternehmen gelten.

Eine frühzeitige Abstimmung mit Lieferanten und Zollverantwortlichen kann helfen, fehlende Informationen rechtzeitig zu erkennen.

Risiken und Chancen für Unternehmen im Maschinenbau

CBAM bringt zusätzliche Anforderungen mit sich, eröffnet Unternehmen aber auch Möglichkeiten, ihre Beschaffungsstrategien weiterzuentwickeln.

Mögliche Herausforderungen:

  • Zusätzlicher Aufwand bei der Erfassung und Prüfung von Emissionsdaten
  • Veränderungen bei den Gesamtkosten bestimmter Importmaterialien
  • Abhängigkeit von der Datenqualität internationaler Lieferanten
  • Höherer Abstimmungsbedarf zwischen Einkauf, Logistik und Compliance

Mögliche Chancen:

  • Bessere Transparenz innerhalb der Lieferkette
  • Bewusstere Auswahl von Material und Lieferanten
  • Stärkere Berücksichtigung emissionsärmerer Produktionswege
  • Langfristig bessere Planbarkeit durch strukturierte Beschaffungsprozesse
  • Förderung nachhaltigerer Lieferketten

Was Einkäufer jetzt umsetzen sollten

Unternehmen können bereits heute verschiedene Maßnahmen ergreifen, um sich auf die Anforderungen vorzubereiten.

1. Material- und Importdaten prüfen

Identifizieren Sie Materialien und Waren, die möglicherweise unter CBAM fallen. Prüfen Sie dazu die entsprechenden Zolltarifnummern und Importmengen.

2. Lieferanteninformationen einholen

Klären Sie, welche Angaben zu Herkunft, Produktionsverfahren und eingebetteten Emissionen verfügbar sind.

3. Beschaffungskosten neu bewerten

Berücksichtigen Sie mögliche CBAM-Kosten bei der langfristigen Planung und beim Vergleich unterschiedlicher Beschaffungsoptionen.

4. Lieferantenstrategie überprüfen

Bewerten Sie Ihre Lieferanten nicht ausschließlich nach dem Einkaufspreis. Auch Transparenz, Datenqualität, Zuverlässigkeit und langfristige Verfügbarkeit können entscheidend sein.

5. Zuständigkeiten klären

Stimmen Sie sich frühzeitig mit den zuständigen Bereichen für Einkauf, Zoll, Logistik und Nachhaltigkeit ab. So können Verantwortlichkeiten und Dokumentationsprozesse klar festgelegt werden.

FAQ: Häufige Fragen zum CBAM

Was bedeutet CBAM?

CBAM steht für Carbon Border Adjustment Mechanism. Es handelt sich um den CO₂-Grenzausgleich der Europäischen Union für bestimmte importierte Waren mit hohen CO₂-Emissionen.

Seit wann gilt CBAM?

Die Übergangsphase begann im Oktober 2023. Die definitive Phase gilt seit dem 1. Januar 2026.

Welche Materialien sind betroffen?

Aktuell umfasst CBAM ausgewählte Waren aus den Bereichen Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel, Elektrizität und Wasserstoff. Ob ein konkretes Produkt betroffen ist, hängt von seiner zolltariflichen Einordnung ab.

Was bedeutet die 50-Tonnen-Schwelle?

Für bestimmte Waren aus Eisen und Stahl, Aluminium, Zement und Düngemitteln gilt eine gemeinsame jährliche Schwelle von 50 Tonnen Nettomasse pro Importeur. Wer diese Grenze nicht überschreitet, ist grundsätzlich von den entsprechenden CBAM-Verpflichtungen ausgenommen.

Wann müssen die ersten CBAM-Zertifikate abgegeben werden?

Die erste jährliche Erklärung und die Abgabe der entsprechenden Zertifikate für Importe aus 2026 sind bis zum 30. September 2027 vorgesehen. Der Verkauf der Zertifikate beginnt im Februar 2027.

Können bereits im Herkunftsland gezahlte CO₂-Preise berücksichtigt werden?

Ja. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein im Herkunftsland tatsächlich gezahlter CO₂-Preis bei der Berechnung der CBAM-Verpflichtung berücksichtigt werden. Dafür sind entsprechende Nachweise erforderlich.

Sind alle Stahl- und Aluminiumbauteile automatisch betroffen?

Nein. Entscheidend ist, ob das konkrete Produkt unter die in der CBAM-Verordnung aufgeführten Waren und Zolltarifnummern fällt.

Fazit: CBAM verändert die Anforderungen an die Beschaffung

CBAM ist ein wichtiger Bestandteil der europäischen Klimapolitik und verändert die Rahmenbedingungen für den internationalen Handel mit bestimmten Materialien und Produkten.

Für Unternehmen im Maschinenbau bedeutet das, dass neben Preis, Qualität und Lieferzeit auch Herkunft und CO₂-Emissionen stärker berücksichtigt werden sollten.

Eine transparente Lieferkette, zuverlässige Lieferanteninformationen und eine vorausschauende Beschaffungsplanung werden damit zu wichtigen Faktoren für langfristig erfolgreiche Einkaufsentscheidungen.

STREAMETAL verfolgt das Ziel, Unternehmen bei der Beschaffung individueller Bauteile und passender Fertigungslösungen zu unterstützen. Eine sorgfältige Betrachtung technischer und wirtschaftlicher Anforderungen bildet dabei eine wichtige Grundlage.

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